Die Evangelische Messe – was ist das eigentlich?

„Evangelische Messe“ – das scheint ein Widerspruch zu sein. Denn den Begriff „Messe“ assoziieren wir mit der Heiligen Messe der römisch- katholischen Kirche. So haben wir es gelernt. Katholiken feiern „Messe“, wir Evangelische feiern „Gottesdienst“.

Doch auch in der evangelischen Kirche, besonders in der lutherischen, gibt es eine Tradition, die die alten Formen des Gottesdienstes hochhält, auch wenn vielen Menschen das zunächst „katholisch“ vorkommen mag.

In der Grundform geht dieser Gottesdienst auf Martin Luther selbst zurück. Luther war ein eher konservativer Mensch, der in der Liturgie nicht alles abschaffte, sondern nur das, was seiner neuen Lehre widersprach. Aus diesem Grund ging er bei der Entwicklung neuer Gottesdienstformen recht sorgsam vor. Er orientierte sich an der herkömmlichen katholischen Messe und machte sie evangelisch, das heißt, er legte den Schwerpunkt auf das hörbare Bibelwort und auf die biblische Auslegung des Heiligen Abendmahls als Gemeinschaft der Christen untereinander und ein sichtbares Zeichen der Sündenvergebung, das im Glauben angenommen wird.

Im Laufe der Jahrhunderte ist der evangelische Gottesdienst immer weiter auf die Predigt verschlankt worden, die damit ein übergroßes Gewicht bekommen hat. Man meinte, dass man den Glauben nur mit der Vernunft erfassen und begreifen kann. Evangelischer Gottesdienst ist daher – bis heute – in erster Linie Predigt.

Erfahrungen mit Gemeinden, die regelmäßiger eine Evangelische Messe feiern, zeigen, dass eine Rückbesinnung auf sinnliche Erfahrung im Gottesdienst sehr geschätzt und angenommen wird. Dazu gehören oftmals liturgische Gewänder, vielleicht eine Schola, ein kleiner Chor für die liturgischen Gesänge, mancherorts werden sogar gute Erfahrungen mit der Verwendung von Weihrauch gemacht; vor allem aber gehört die häufigere Feier des Abendmahls dazu.

Evangelische Messe kann ein Versuch sein, die Rückbesinnung auf die Ursprünge des evangelischen Gottesdienstes mit einer geistlich wie künstlerisch anspruchsvollen, zeitgemäßen, die Gefühle ansprechenden Musik, mit modernem Leben und moderner Sprache zu vereinen. Sie ist ein Zeichen ökumenischer Gemeinschaft.

In der Feier der Messe danken wir als Kirche für alles, was uns in Christus geschenkt worden ist. Wir hören aus der Heiligen Schrift. Wir antworten in Lied und Gesang. Wir beten für die Menschen in ihren Sorgen und Nöten. Wir empfangen in Brot und Wein Gemeinschaft mit Christus und untereinander.

Das ist nicht anders als in einem gewöhnlichen evangelischen Predigtgottesdienst. Wie in jedem Gottesdienst vollziehen wir auch in der Evangelischen Messe vier Grundschritte: Eröffnung und Anrufung, Verkündigung und Bekenntnis, Mahlfeier, Sendung und Segen.

Eröffnung und Anrufung
Hier geht es um die äußere wie innere Sammlung, um die Ausrichtung auf Gott. Es geht um Einstimmung, Einleitung und Einführung für das Kommende.

Wortverkündigung
In diesem Teil der Messe hören wir das Wort Gottes aus den Schriften des Alten und Neuen Testamentes. In der Predigt wird das Wort Gottes ausgelegt und erklärt. Die Fürbitten leiten uns vom Hören zum Tun des Wortes an. Sie weiten unseren Blick auf die Sorgen und Nöte der Menschen in der Welt.

Heiliges Abendmahl
Brot, Wein und unsere Gaben werden zum Altar gebracht. Über diesen Gaben sagen wir Dank für das neue Leben, das uns Gott in Jesus, dem Christus, geschenkt hat. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung werden uns vergegenwärtigt. Im Teilen von Brot und Wein haben wir Gemeinschaft mit ihm und untereinander.

Sendung und Segen
Dieser abschließende Teil des Gottesdienstes ist sehr kurz und enthält die Bitte um den Segen Gottes und die Sendung als Christ in die Welt. Mit Gottes Segen werden wir in die Woche geschickt, um den Menschen in Wort und Tat von der Menschenfreundlichkeit Gottes zu erzählen. Von dem lateinischen Sendungswort „Ite, missa est“ hat die ganze Feier den Namen „Messe“ bekommen.

Im Augsburgischen Bekenntnis von 1530 heißt es: „Die Messe ist von den Evangelischen nicht abgeschafft worden, sondern wird mit größerer Andacht als bei den Widersachern gehalten. Die gottesdienstlichen Formen sind nicht merklich geändert worden.“ (CA Artikel 24)