Über die Domkirche

Die Kirche der Ev. Lukasgemeinde ist mit ihren beeindruckenden Ausmaßen und ihrer feingliedrigen neugotischen Architektur das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Lampertheim. Nicht ohne Stolz wird sie „Dom des Rieds“ genannt. Ihr großer Turm ragt 60 Meter hoch in den Himmel, die beiden westlichen Türme sind 37 Meter hoch, das Kirchenschiff 23 Meter. Das Gotteshaus ist 55 Meter lang und zwanzig Meter breit.
Die Grundsteinlegung fand am 14. Mai 1863, am Fest Christi Himmelfahrt, statt. Lampertheim zählte damals 5006 Einwohner. Baumeister war der Großherzoglich-Hessische Kreisbaumeister Christian Horst aus Bensheim. Nach fünfeinhalbjähriger Bauzeit fand am 18.Oktober 1868 die feierliche Einweihung statt.

In der Nacht vom 15. zum 16. Mai 1944 wurde die Ev. Kirche im Bombenhagel der Alliierten völlig zerstört, ebenso das angrenzende Pfarrhaus. Nur der große Kirchturm blieb unversehrt. Der damalige Kirchendiener Johann Götz fand den Tod. Bis zur Fertigstellung der Notkirche im Jahre 1947 auf einem bäuerlichen Anwesen in der Römerstraße feierte die evangelische Gemeinde auf Einladung der katholischen Gemeinde ihre Gottesdienste in der Andreaskirche. Im Sommer 1955 begann der Wiederaufbau der Domkirche. Baumeister war Professor Gruber von der Bauabteilung der evangelischen Landeskirche in Darmstadt. Statt der ursprünglichen dreischiffigen Kirche entstand nun eine große Hallenkirche. Charakteristisch ist das große schiefergedeckte Dach. Die Wiedereinweihung fand am 21.Oktober 1956 statt.

Im Inneren der Domkirche

Das Innere der Kirche ist geprägt von der nüchternen, schlichten Art der Nachkriegszeit. Das Langhaus ist als Wandpfeilerhalle mit einem hölzernen Spitztonnengewölbe gestaltet. In den 46 Bänken finden etwa 550 Personen Platz. Der Chorraum ist mit Triumphbogen und Kreuzrippengewölbe in seinem ursprünglichen Zustand wieder aufgebaut worden. Der Schlußstein ist farbig betont und trägt die Jahreszahlen 1866 (Aufbau), 1944 (Zerstörung) und 1955 (Wiederaufbau).

Die farbigen Chorfenster zeigen Szenen aus dem Leben Jesu. Der Altar ist aus großen Sandsteinquadern gemauert. Altarkreuz und Altarbibel sind Geschenke der Partnergemeinde Haynrode im Eichsfeld bzw. des Evangelischen Bundes Lampertheim.

An der schlichten Kanzel aus Buntsandstein befindet sich seit 1990 eine Metallplastik, die das Gleichnis vom barmherzigen Samariter darstellt. Geschaffen hat sie auf Anregung von Architekt Karl Rockenfeld der 1943 in Mährisch-Ostrau geborene und in Fichtenau-Gunzach bei Heilbronn lebende Künstler Wolfgang Bier, Professor an der Fachhochschule Aachen.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gehört zum sog. Sondergut des Evangelisten Lukas, dem Namensgeber der Lukasgemeinde. Gegenüber der Kanzel ist noch eine Säule der zerstörten Kirche sichtbar. Daneben ist ein kleines Relief aus Messingguß in die Mauer eingelassen, das das Motiv „David und Saul“ zeigt. Es erinnert an das hundertjährige Bestehen des Evangelischen Kirchenchores (1979). Aus dem Kapitell einer weiteren Säule wurde der Taufstein gestaltet.

Der Osterkerzenständer wurde 2019 künstlerisch gestaltet von Robert Simon, in Analogie zur Taufglocke der Lukasgemeinde. Er zeigt Szenen aus dem sogenannten Kinderevangelium (Markus 10, 13-16).

In unmittelbarer Nähe zum Taufstein befindet sich die Lichterwand. Sie wurde im Jahr 2015 von Steinmetz Holger Schinz-Sauerwein angefertigt und am Buß- und Bettag eingeweiht. Die Grundidee bestand darin, dem Gleichnis an der Kanzel aus dem Lukasevangelium ein Pendant aus der Apostelgeschichte gegenüber zu stellen. Somit soll das lukanische Doppelwerk in der Domkirche repräsentiert werden, da Lukas, der Verfasser des Evangeliums und der Apostelgeschichte, der Namensgeber der Lukasgemeinde ist.
Die Lichterwand wurde gespendet von den Familien Martin Wetzel und Karl Theiß und Peter Medert. Auf den einzelnen Steinen finden sich 12 zentrale theologische Begriffe aus der Apostelgeschichte, jeweils in griechischer und deutscher Sprache.

Die Chorfenster

Dem Besucher der Kirche fallen zuerst die Chorfenster ins Auge. An hellen Tagen leuchten sie besonders schön. Sie erzählen Geschichten aus dem Leben Jesu. Das mittlere Fenster stellt das Ostergeschehen dar und wird deshalb auch Osterfenster genannt. Es wird gekrönt von dem besonders hell leuchtenden Kreuz, dem Symbol für Jesus Christus. Das rechte Fenster, das Karfreitagsfenster, schildert die Ereignisse an Gründonnerstag und Karfreitag. Das Weihnachtsfenster links erzählt die Geschichte von der Geburt Jesu.
Angefertigt wurden die Fenster im Jahre 1956 von der Glasmalerwerkstätte P. Meysen in Heidelberg. Die künstlerischen Arbeiten führte der Heidelberger Glasmaler Harry MacLean aus.

Die Orgeln der Domkirche

Im Volksmund wird sie nur die “große Blaue” genannt – die Orgel der Domkirche, gebaut von der Firma Vleugels aus Hardheim im Odenwald und eingeweiht am Sonntag Trinitatis, 17. Juli 2005.
Die Orgel hat zur Zeit 34 Register mit 2062 klingenden und 27 stummen Pfeifen. Letztere befinden sich im Orgelprospekt und werden auch Spargelpfeifen genannt – eine kleine lokalpatriotische Konzession an unsere Heimatstadt Lampertheim. Die größte Pfeife ist fünfeinhalb Meter, die kleinste einen Zentimeter hoch. Die Orgel hat drei Manuale und ein Pedal. Die zum Bau verwendeten Hölzer sind Birnbaum, Ebenholz, Eiche, Fichte, Kiefer und Rosenholz. Das Gesamtgewicht der Orgel beträgt zirka elf Tonnen.
Der Kirchenvorstand beauftragte den Kirchenmaler Eberhard Münch, die Orgel farblich zu gestalten – eine mutige Entscheidung, die aber wesentlich dazu beigetragen hat, dass mit der neuen Orgel ein akustisches, optisches, architektonisches und handwerkliches Gesamtkunstwerk entstanden ist.

Die Glocken der Domkirche

Die Domkirche hat mit ihren 6 Glocken eines der größten und schönsten Geläute der Landeskirche Hessen und Nassau. Die Bronzeglocken wurden von der Firma Rincker in Sinn gegossen und am 6. Sonntag nach Trinitatis, 7. Juli 2013 geweiht. Die 3 großen Glocken tragen die Namen ihrer Vorgängerinnen aus der Nachkriegszeit: Christusglocke – Reformationsglocke und Friedensglocke. Die alten Glocken fanden im Heimatmuseum, auf dem Stadtfriedhof und auf dem Gelände der Lukasgemeinde einen würdigen Platz. Neu hinzugekommen sind die Vaterunserglocke, die Taufglocke und die Segensglocke. Die Taufglocke wurde künstlerisch gestaltet von Robert Simon mit einem Relief zu Markus 10, 14: Lasst die Kinder zu mir kommen.

Die Turmuhr

Die Turmuhr mit ihrem großen mechanischen Werk darf mit Recht als technisches Denkmal bezeichnet werden. Ihr gemächliches Ticken erinnert eindrucksvoll an das unaufhaltsame Verfließen der Zeit – tempus fugit! Auf dem Firmenschild ist zu lesen: G.Seybold, Landau 1868.