Es ist Oktober geworden. Die Tage werden zwar spürbar kürzer, aber es ist noch immer warm und schön draußen. Bevor die Natur in den grauen und kalten
Winterschlaf versinkt, zieht sie noch einmal alle Register: Die Blätter färben sich in den prächtigsten Farben und ehe die Bäume ihr Laub ganz abwerfen, schenken sie uns mitunter ein goldenes Leuchten.

Dieses Leuchten entsteht jedoch nicht aus sich selbst heraus. Ein buntes Blatt im Schatten wirkt oft dunkel und matt. Erst wenn das Licht der Sonne darauf fällt,
beginnt es zu strahlen und schenkt dem „goldenen Herbst“ seinen Namen. Der Herbst erinnert uns daran, dass alles seine Zeit hat. Lebensphasen enden,
Abschiede gehören dazu. Doch der goldene Herbst zeigt: Auch das Loslassen kann in Würde und Schönheit geschehen.

Genau wie die Blätter das Sonnenlicht brauchen, um zu leuchten, so brauchen wir Menschen Gottes Nähe. Seine Liebe und sein Zuspruch bringen die Farben unseres Lebens erst richtig zum Strahlen – selbst dann, wenn es in uns oder um uns herum dunkel und kalt wird. Gottes Licht macht uns golden.

Ebenso ist der Herbst die Zeit der Reife und Ernte. Seine besonderen Tage laden uns ein, zurückzuschauen. Was durfte in diesem Jahr in unserem Leben wachsen?
Welche Früchte durften wir ernten? Weil wir eben nicht aus uns selbst heraus leuchten, ist es Zeit „danke“ zu sagen. Am Erntedankfest können wir es mit dem Bibelwort des Tages aus Psalm 114 tun: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und
die Erde ist voll deiner Güter.“

Und Gott schenke, dass dann noch ein weiteres Leuchten aufscheine: das Licht des der Gerechtigkeit und des Teilens all dieser wunderbaren Güter.

Pfarrerin Sabine Sauerwein